2009/07/29

Der Hinweis zur Rechtschreibung


Folgender Rechtschreibhinweis sollte, neben den Hinweisen zum Urheberrecht, in allen Bänden der Alpha-Version enthalten sein:

In der deutschen Sprache gibt es das Wort Regeln. Es ist leider nicht eindeutig. Einerseits steht es für Vorschriften, beispielsweise die Spielregeln des Fußballs oder des Schachspiels. Andererseits beschreibt das Wort Regeln Merksätze, in denen Erfahrungsweisheit zusammengefaßt wurde. Ein Beispiel dafür wären die Regeln der Verführung. Weil Verführung manchmal als eine Art Spiel aufgefaßt wird, kann sogar das zusammengesetzte Wort Spielregeln keine Klarheit verschaffen. Die Unklarheit bleibt auch in dem Wort Rechtschreibregeln bestehen. Ursprünglich kannte die deutsche Sprache keine Rechtschreibregeln. Jeder Schreiber entschied von Fall zu Fall wie er schreiben wollte. Manche Schreiber haben diese Gewohnheit bis heute beibehalten. Die meisten der Leser und Schreiber des Deutschen erkannten, daß sich manche Schreibweisen besser als andere bewährten, um die jeweilige Absicht des Schreibers deutlich zu machen. Darum wurden sie als Erfahrungsweisheiten weitergegeben, durch Kulturwissenschaftler untersucht und in Schulen gelehrt. Das ist die traditionell bewährte Rechtschreibung.

Ein deutscher Verlag hatte sich darauf spezialisiert, Bücher zu veröffentlichen, die erklären wie traditionell deutsch geschrieben wird. Der Verlag beherrschte dieses Marktsegment völlig, aber er umgekehrt auch völlig davon abhängig. So konnte der Verlag leicht zum Opfer eines Wirtschaftskrieges werden. Das ist schließlich passiert, jedoch auf eine ungewöhnliche Art und Weise. Eine Lobbygruppe, hinter der ein anderer Verlag stand, erreichte es, daß sich ein durch nichts legitimiertes Gremium zusammenfand, die Durchführung einer Rechtschreibreform verkündete und ein Sammelsurium an größtenteils unsinnigen Vorschriften veröffentlichte. Es war nicht der erste Versuch die Rechtschreibregeln des Deutschen durch Rechtschreibvorschriften zu ersetzen. Aber es war der erste Versuch, der teilweise geglückt ist. Schulbuchverlage brachten neue Schulbücher heraus, die die neue Rechtschreibung verwendeten. Viele Schulen stellten ihren ganzen Buchbestand auf die neuen Schulbücher um. Die Rechtschreibvorschriften wurden durch mehr als einen Verlag veröffentlicht. Nur denjenigen, die beruflich schreiben, fiel die Unsinnigkeit der neuen Vorschriften auf. Deswegen weigern sich die meisten Schriftsteller, sich an die neuen Vorschriften zu halten. Die neuen Rechtschreibvorschriften sind übrigens nur für den behördlichen Schriftverkehr bindend. Aber auch dort werden sie größtenteils nicht eingehalten, weil sich bereits gezeigt hat, daß sie viele Mißverständnisse verursachten, die durch die bewährte Schreibweise vermieden werden können. Je mehr Mißverständnisse auftraten, desto mehr Kritiker an der Rechtschreibreform traten auf. Deswegen erfuhr die Rechtschreibreform bereits in den ersten Jahren mehrere Revisionen, in denen die gröbsten Fehler wieder beseitigt wurden. Manche Verlage profitierten davon, weil sie ihre Bücher nun noch öfter auflegen konnten. Gleichzeitig sind immer weniger Buchkäufer bereit, den Unsinn mitzumachen. Dadurch sind nun mehrere Versionen der neuen Schreibweisen in den heutigen Büchern zu finden.

Einen einzigen Nutzen für die Allgemeinheit hatte die Rechtschreibreform schließlich doch. Es wurde viel über den Sinn und den Unsinn bestimmter Schreibweisen oder bestimmter Regeln diskutiert. Sprachforscher konnten so herausfinden, warum sich im Deutschen bestimmte Schreibweisen und Rechtschreibregeln bewährt haben und andere nicht. Der interessierte Teil der Öffentlichkeit konnte die Diskussionen leicht verfolgen. Inzwischen sollte jeder Schreiber des Deutschen begründen können, warum er eine bestimmte Schreibweise wählt und andere verwirft. Dadurch hat sich sogar die natürliche Entwicklung der deutschen Sprache in die völlig andere Richtung, die sie bereits vor der Rechtschreibreform eingeschlagen hatte, beschleunigt.

Leider werden die neugewonnenen Erkenntnisse im Unterricht des Deutschen als Fremdsprache nicht umgesetzt. Im Unterricht des Deutschen als Fremdsprache werden normalerweise den Lernenden nur die neuen Vorschriften und Wörterlisten, die bestimmte Schreibweisen enthalten, präsentiert. Diese müssen dann von den Deutschlernenden auswendig gelernt werden. Natürlich fehlt den Deutschlernenden das natürliche Sprachgefühl des deutschen Muttersprachlers, das dafür sorgt, daß der Muttersprachler manche der neuen Schreibweisen wie einen schmerzhaften Stich direkt ins Auge empfindet. Dem Deutschlernenden kann auch nicht auffallen, daß durch die neuen Vorschriften viele Wörter und Ausdrucksweisen abgeschafft wurden, obwohl die Reformer versprochen hatten, daß die deutsche Sprache nicht geändert würde. Dem Deutschlernenden kann lediglich auffallen, daß manche der Beispiele aus den Wörterlisten, die übrigens ebenfalls von den Reformern stammen, den neuen Vorschriften widersprechen, obwohl sich der Deutschlernende an beides halten soll. Darüberhinaus sind viele der Vorschriften so formuliert, daß man sie nur dann verstehen kann, wenn man schon vorher die traditionellen Regeln kennt. Das überfordert natürlich viele Deutschlernende. So kommt es zu vielen Fehlern. Auch Muttersprachler des Deutschen, die die neuen Vorschriften zu befolgen versuchen, machen viel mehr Fehler beim schreiben. So kommt es, daß ein großer Teil sowohl älterer als auch der neuesten deutschen Literatur dem Deutschlernenden verschlossen bleibt. Außerdem entsteht der Eindruck, daß das Deutsche eine sehr unregelmäßige Sprache mit vielen Ausnahmen wäre. Der Eindruck täuscht, denn Unregelmäßigkeit und viele Ausnahmen entsprechen überhauptnicht der deutschen Mentalität.

Ließe man den Deutschlernenden anhand in der bewährt traditionellen Schreibweise des Deutschen gehaltenen, möglichst fehlerfreien Texten selbst entdecken, welchen Regeln die deutsche Rechtschreibung folgt, dann müßte der Deutschlernende zwangsläufig einen viel besseren und nützlicheren Einblick in die deutsche Sprache erhalten. Er würde feststellen, daß das Deutsche sehr regelmäßig und klar strukturiert ist, logisch nachvollziehbaren Regeln folgt, nur wenige Ausnahmen zuläßt und auch alle Ausnahmen nachvollziehbar zu begründen sind. Der Deutschlernende könnte so nicht nur viel mehr deutsche Texte lesen, sondern sie auch leichter verstehen, eigene Texte besser formulieren und darüberhinaus sogar die Vorschriften und Wörterlisten der Rechtschreibreform mit allen ihren Revisionen schneller lernen. Letzteres würde der Deutschlernende natürlich nur für Prüfungen brauchen.

Um diese überlegene Art, die deutsche Sprache zu erlernen, zu ermöglichen, befolgen hier alle Texte die bewährten Regeln der traditionellen deutschen Schreibweise. Trotzdem sind nicht alle Wörter so geschrieben wie es vor der Rechtschreibreform der Fall gewesen wäre, denn die Text hier folgen natürlich auch dem natürlichen Trend der deutschen Sprache hin zu noch mehr Logik, noch mehr Nachvollziehbarkeit, noch mehr Regelmäßigkeit und noch mehr Ausdifferenzierung voneinander unterscheidbarer Begriffe.


Um sich in sprachlichen Feinheiten wie zum Beispiel der Unterscheidung zwischen regeln und regulieren zu üben, wird empfohlen sich im benachbarten Blök Zhèng-Míng (正名) einzulesen und den öfters zu besuchen. Nur wer souverän solches Hintergrundwissen in den eigenen Kommentaren und sonstigen sprachlichen Ergüssen zu berücksichtigen weiß, kann auf Netzseiten, die Sprachen oder allgemein der Sprache gewidmet sind, überhaupt ernst genommen werden.

Für weitere Hinweise zur Rechtschreibung des Deutschen sollten zunächst die Netzseiten des Sprachforschers und Dozenten für Deutsch als Fremdsprache Theodor Ickler konsultiert werden. Manche seiner Bücher sind auch eine ergiebige Quelle lohnender Erkenntnis. Für den Hinweis wurde hier übrigens niemand bezahlt, sondern die durch Theodor Ickler veröffentlichten, wahren Hintergründe der Rechtschreibreform des Deutschen und Möchtegernreform der deutschen Sprache haben hier einfach sehr inspirierend gewirkt.

Danach kann hier gerne noch über das durch die Rechtschreibreform völlig neu eingeführte Istrument der Regelungsgewalt diskutiert werden. Besonders interessant daran ist nämlich, daß Schrift und Sprache zuvor völlig ohne Akte der Gewalt ausgekommen sind.

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